Das Märchen vom Bartenwetzer und der Wunschfee

Dr. Hans Jürgen Groß
Zukunft gestalten: WEG- und Wandlungsbegleitung
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Das Märchen vom Bartenwetzer und der Wunschfee

Dr. Gross INFO
Im Zwielicht der Ungewissheit verlieren
sich Wünsche im Schatten des Zweifels.

Es war einmal, zu einer Zeit, als die Menschen noch die Kraft der Gedanken und Wünsche kannten. In dieser Zeit lebte ein armer Holzfäller mit seiner Frau in einer kleinen Stadt. Jeden Morgen, kurz vor Sonnenaufgang, überquerte er die steinerne Brücke, die über den Fluss führte, der den Wald von der Stadt trennte. Auf seinem Weg hielt er auf der Brücke an und wetzte seine Axt.

Mit schnellen, rhythmischen Schwüngen glitt die Barte über den Stein. Das Geräusch erfüllte den Holzfäller mit einem Gefühl der Lebendigkeit. Hin und her, von links nach rechts, von rechts nach links, immer schneller werdend. Ohne es zu merken, glitt die Axt wie von selbst über den Stein, bis Funken sprühten.

Die Funken wirbelten um den Holzfäller herum und kitzelten seine Nase. „Danke, lieber Mann“, sagte ein Fünkchen, das sich als kleine Fee entpuppte. „Du hast uns aus unserem Gefängnis befreit. Lange Zeit waren wir in diesem Stein gefangen. Dafür erfülle ich dir einen Wunsch.“ Mit diesen Worten stieg sie in den Himmel auf, der sich über dem Fluss wölbte.

Der Bartenwetzer, ein einfacher Mann, war verblüfft. Hatte er gerade eine Fee gesehen? Hatte sie ihm wirklich einen Wunsch gewährt? Was sollte er sich wünschen? „Ach, wäre meine Frau bei mir, sie würde wissen, was zu tun ist“, sprach er zu sich selbst.

Da hörte er die Stimme seiner Frau in seinem Ohr. „Du Dummkopf“, flüsterte sie. „Wünsch dir unermesslichen Reichtum, dann ist alles gut.“ Reichtum? Überlegte er. Ja, das schien ein guter Wunsch zu sein. Aber wenn er reich wäre, würden ihn die anderen beneiden. Er müsste Angst vor Räubern haben, die ihn bedrohen oder sogar töten könnten. Nein, tot würde ihm der Reichtum nichts nützen. Vielleicht sollte er sich stattdessen ein langes Leben wünschen.

„Du Narr“, hörte er die Stimme seiner Frau. „Wie lange willst du in Armut leben, dich jeden Tag im Wald abrackern und hungern? Der Tod ist eine Gnade, die dich von dieser Last befreit.“

„Und wenn ich mir ein langes Leben in Reichtum wünsche?“, fragte er sich. Nein, das würde nicht gehen. Wären dies doch gleich zwei Wünsche.

Der Bartenwetzer stand mit seiner Axt in der Hand auf der Brücke. Sein Daumen strich in Gedanken über die scharfe Klinge. Es war wie verhext. Er konnte sich einfach nicht für einen Wunsch entscheiden. Immer wenn ihm etwas in den Sinn kam, mahnte die Stimme seiner Frau genau das Gegenteil. Wie bei der Axt gab es für alles immer zwei Seiten.

Und so stand er Stund um Stund, Tag um Tag, und wusste nicht, was er sich wünschen sollte. Und wenn er nicht gestorben ist, dann steht er da noch heute, ohne zu ahnen, dass er seinen Wunsch bereits verwirkt hatte.

Idee, Text und Fotos © 2024 - Hans Jürgen Groß

Siehe auch: + + + https://t1p.de/Bartenwetzer + + +




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